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Helgoland im Winter: Babyzeit bei den Kegelrobben

Helgoland. Pures Glück rauscht durch meine Adern. Tief atme ich die salzige Meeresluft ein. Der Wind braust. Die Wellen rauschen. Der Sand knirscht unter meinen Füßen.

Helgoland (16)

Meer. Endlose Weite. Freiheit.

Dieser rauschhafte Zustand erfasst mich regelmäßig, wenn ich am Meer bin. Aber heute wird mein Glück noch getoppt. Denn ich bin nicht allein am Strand. Jede Menge Kegelrobben bevölkern die „Düne“, die kleine Nachbarinsel von Helgoland.

Kegelrobbe auf Helgoland

Kegelrobbe auf Helgoland

Kegelrobbenbaby, Helgoland

Kegelrobben, die genüsslich im Meer floaten, sich mit ihren Nachbarn kabbeln oder dösend am Strand liegen, eine Flosse schützend um ihren Nachwuchs geschlungen. Und mit großen, kugelrunden Augen zu mir rübergucken.

Kegelrobbenmama mit Baby, Helgoland

Ich könnte laut Quietschen vor Verzückung. Natürlich tue ich das nicht. Schließlich möchte ich meine neuen Freunde nicht erschrecken. Und auch die vorgeschriebenen 30 Meter Sicherheitsabstand halte ich ein. Ist doch klar. Auch wenn ich die Kleinen am Liebsten knuddeln würde.

Kegelrobbenmama mit Baby, Helgoland

Babyzeit im Kegelrobbenland

Warum haben sich die Kegelrobben ausgerechnet den Winter ausgesucht, um ihren Nachwuchs auf die Welt zu bringen? Eine unwirtlichere Zeit gibt es doch gar nicht, könnte man meinen. Aber die kleinen Kegelrobbenbabys sind wahre Wachstumswunder und mit ihrem dichten Fell bestens gegen Kälte und Wind gerüstet. Dank der nahrhaften Muttermilch (60 Prozent Fettgehalt!) nehmen die Kleinen bis zu 2 Kilo am Tag zu und bringen nach drei Wochen schon stattliche 50 kg auf die Waage. Mit vier Wochen wird der Nachwuchs flügge, tauscht sein weißes Babyfell gegen ein wasserdichtes Gewand und stürzt sich in die Fluten.

Kegelrobbenbaby, Helgoland

Wenn ihr genau so große Tierfans seid wie ich, dann auf nach Helgoland zum Kegelrobbengucken! Ihr trefft sie dort das ganze Jahr über an. Beste Chancen, die süßen Babyrobben zu sehen, gibt es von November bis Januar. Von der Hauptinsel kann man halbstündig mit der kleinen Inselfähre zur Düne übersetzen. Die Überfahrt dauert ca. 10 Minuten und kostet 5 € hin und zurück.

Kegelrobbenmama mit Baby, Helgoland

Winteridylle mit Puderzuckerschnee

Aber jetzt mal von vorne. Von Cuxhaven aus geht es mit der nagelneuen und gemütlichen MS Helgoland Richtung Hochseeinsel. An Bord herrscht Wohlfühlatmosphäre. Erstaunlich viele Gleichgesinnte sind trotz der Jahreszeit unterwegs nach Helgoland. Aber natürlich kein Vergleich zum Trubel der Sommermonate. Entspannt und voller Vorfreude erreichen wir nach schnellen zwei Stunden unser Ziel.

Gleich bei der Ankunft begrüßen einen die bunt bemalten Hummerbuden, ehemalige Wohn- und Werkstätten der Fischer. Heute beherbergen sie überwiegend kleine Lädchen und Restaurants. Weniger einladend ist der Schneesturm. Der Gegenwind läßt einem die Flocken direkt ins Gesicht treiben. Unangenehm! Unseren Entdeckerdrang kann das allerdings nicht stoppen. Motiviert starten wir die Inselerkundung. Und dank des Schnees verwandelt sich Helgland in kürzester Zeit in ein wahres Winterwonderland.

Helgoland (8)

Magisch ist die Stimmung am nächsten Morgen. Helgoland liegt friedlich unter einer dicken weißen Schneeschicht begraben, während sich am Horizont langsam der Himmel verfärbt. Still ist es. Kaum jemand ist so früh schon unterwegs. Wir scheinen die Insel ganz für uns allein zu haben. Und so genießen wir von unserem Aussichtspunkt aus den Sonnenaufgang über dem Hafen.

Sonnenaufgang über dem Hafen

Das Wahrzeichen Helgolands: Die Lange Anna

Anschließend brechen wir zu einem zweistündigen Rundgang über Helgolands Oberland auf. Zum Lummenfelsen und Helgolands Wahrzeichen, der Langen Anna, einem 47 Meter hohen, freistehenden Felsen aus rotem Sandstein. Der Lummenfels ist im Winter weitgehend verweist. Die Vogelfreunde unter euch sollten lieber im Frühling oder Herbst herkommen, wenn Scharen von Zugvögeln die Insel als Rastplatz nutzen. Oder im Juni zum berühmten Lummensprung. Am Felsen brüten mehrere Seevogel-Arten, neben der Trottellumme auch Dreizehenmöwen und Basstölpel.

Lange Anna

Landschaftlich hat der Rundwanderweg aber auch ohne Vogelscharen seinen Reiz. Unterwegs bieten sich immer wieder atemberaubende Ausblicke. Über die Felsen, die Insel und rüber zur Düne. Und ein weiteres Mal läßt Helgoland mein Tierherz höherschlagen. Unerwartet treffen wir eine kleine Herde zotteliger Schafe, die sich vorm Wind schutzsuchend in einer kleinen Senke zusammen drängen.

Schafe, Helgoland

Die Sonne steht inzwischen strahlend am Himmel. Und so zieht es uns noch einmal rüber zur Düne, bevor wir die Heimreise antreten. Seht auf den Fotos selbst, wie schön es dort ist.

Fazit: Helgoland hat mein Herz im Sturm erobert! Und das liegt nicht nur an den Kegelrobben. Helgoland, ich komme wieder! Spätestens im Juni zum Lummensprung.

Helgoland (15)

Gewusst? Einige interessante Fakten über Helgoland:

    • Helgoland liegt etwa 67 Kilometer südwestlich der Südspitze von Sylt und 57 Kilometer nordwestlich der niedersächsischen Küste bei Cuxhaven.
    • Bis zu einer Sturmflut 1721 war die Düne durch einen Naturdamm mit der Hauptinsel Helgolands verbunden.
    • Auf Helgoland könnt ihr nach Herzenslust Duty Free Shoppen, da Helgoland nicht zum Zollgebiet der EU gehört.
    • Helgoland hat mit durchschnittlich 2 °C das mildeste Winterklima Deutschlands. Das liegt an der vom Golfstrom erwärmten Nordsee, die mit rund 5 °C Wassertemperatur als Wärmespeicher wirkt. So kann es schon mal vorkommen, dass es auf Helgoland im Winter bis zu 10 °C wärmer als in Hamburg ist.
    • Helgoland hat seit 1998 seinen eigenen Marathon: Der Helgoland-Marathon wird an einem Samstag im Mai ausgetragen. Meistens am gleichen Wochenende, an dem in Hamburg der Hafengeburtstag gefeiert wird.
    • Im Sommer wird vor Helgoland ausgebootet. Mit den sogenannten Börtebooten werden die Passagiere das letzte kleine Stück an Land gebracht. Eine echte Touristenattraktion. (Gilt nur für die Seebäderschiffe, der Katamaran Holunder Jet aus Hamburg darf im Hafen festmachen.)
    • Im Südhafen ist der größte Seenotkreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), die Hermann Marwede, stationiert.

 

Praktische Informationen

MS Helgoland

An Bord von MS Helgoland

Anreise:

 

Fähre ab Cuxhaven

  • Ganzjährig
  • Fahrzeit ca. 2,5 Stunden
  • Abfahrt von Cuxhaven „Fährhafen“
  • Kosten: ca. 50 € Hin- und Rückfahrt

Fähre ab Bremerhaven

  • Mai bis September
  • Fahrzeit ca. 3 Stunden
  • Kosten: 49 € Hin- und Rückfahrt

Fähre ab Büsum

  • April bis Oktober
  • Fahrzeit 2 Stunden, 15 Minuten
  • Kosten: 49 € Hin- und Rückfahrt

Katamaran ab Hamburg (über Wedel und Cuxhaven)

  • Mitte März bis Ende Oktober
  • Dauer: knapp 4 Stunden
  • Verschiedene Preisklassen, ab 70€ bei Hin- und Rückfahrt am gleichen Tag.

 

Per Flugzeug

Auf der Düne befindet sich der kleine Flugplatz Helgoland-Düne, von dem aus in etwa 20 bis 30 Minuten das deutsche Festland erreicht werden kann. Regelmäßige Flugverbindungen von und nach Helgoland werden derzeit von den Flughäfen Heide/Büsum und Cuxhaven-Nordholz angeboten (ca. 200€ Hin-und Rückflug).

Blick auf die Jugendherberge vom Wanderweg, Helgoland

Blick auf die Jugendherberge vom Wanderweg

Unterkunft:

Wir sind in dem schnuckeligen Hotel Hochseeinsel abgestiegen (85 € für 2 Personen im Doppelzimmer inkl. Frühstück). Die super freundliche Rezeptionistin hat uns sofort mit jeder Menge Tipps versorgt und das Zimmer war total gemütlich, so dass wir uns gleich wie zuhause gefühlt haben. Das Beste ist aber der Frühstücks-/Aufenthaltsraum mit einer tollen Aussicht aufs Meer. Dort kann man theoretisch den ganzen Tag chillen und sich am Kaffeeautomaten bedienen, einen großen Cafe Latte gibt es zum Beispiel schon für 1€, sehr moderater Preis. Fazit: Gemütliche Wohlfühlunterkunft, gerne wieder.

Für die wahren Outdoor-Fans unter euch: Im Sommer hat auch der Campingplatz auf der Düne geöffnet. Er liegt mitten in den Dünen, sah mega einladend aus und die Kegelrobben sind gleich um die Ecke.

Ferienwohnungen findet ihr auf bestfewo.

Hotel Hochseeinsel, Helgoland

Hotel Hochseeinsel, Helgoland


Warst du schon mal auf Helgoland? Oder hast du tolle Tipps, wo man sonst noch gut Robben in der Natur beobachten kann? Teile deine Erfahrungen gern unten in den Kommentaren!

Kegelrobbenbaby, Helgoland

Na, wer von euch hat jetzt Lust mich auf Helgoland zu besuchen?

Mehr Fotos gibt es in unserer Helgoland Fotoinspiration.

Mit diesem Artikel nehmen wir an der Blogparade „Die schönsten Reiseziele für den Winter“ von Before We Die teil.

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16 Kommentare zu “Helgoland im Winter: Babyzeit bei den Kegelrobben

  1. Melli

    awww wie süß 🙂
    dann muss ich unbedingt mal im Winter nach Helgoland, Robben sind nämlich meine absoluten Lieblingstiere, dieses Jahr konnte ich schon zweimal welche sehen, einmal in Island in einer Gletscherlagune wo sie zwischen den Eisschollen herumschwimmen und einmal an der Küste von Cornwall in England
    liebe Grüße

  2. Kathrin Autor des Beitrags

    ja, total knuffig! Auf der Helgoländer Düne liegen die Kegelrobben einfach so am Strand rum, total genial. Da kann man sie echt in aller Ruhe beobachten. Oder beim im Wasser rumplanschen. Wir planen grade unseren nächsten Trip für Ende November 🙂

  3. Maria

    Sind die süüüüß! Ich hab Herchen in den Augen 😉 Außerdem sieht der Schnee so schön aus… ich hab seit Jahren keinen Schnee mehr gesehen. Vielleicht sollte ich mir diesen Winter ein wenig Zeit für Helgoland frei machen.
    Viele Grüße
    Maria

    1. Kathrin Autor des Beitrags

      mach das, Maria! Es lohnt sich! Für uns war es der perfekte Wochenendtrip. Und der Sonnenaufgang über dem verschneiten Hafen war gradezu magisch 🙂

  4. Bettina

    Vor ein paar Tagen haben wir uns die Fährverbindungen nach Helgoland angesehen und jetzt finde ich deinen Artikel. Danke für die Infos! Leider haben wir in den nächsten Wochen keine Zeit – ich wäre gern im Winter gefahren, wegen der Robbenbabys. Vielleicht machen wir das im Juni, wenn die Lummen springen 🙂

  5. Frank

    Hallo, Kathrin,
    Helgoland hat schon zu jeder Jahreszeit einen besonderen Reiz.
    Ich war gerade im Oktober 6 Tage auf der Düne und wollte nun eigentlich auch darüber im Rahmen der Blogparade schreiben.
    Im Mai fahren wir wieder hin.
    Nun bist du mir zuvor gekommen.
    Aber es gibt ja noch mehr großartige Ziele.
    Liebe Grüße Frank

  6. Johanna

    Hallo Kathrin,
    durch die Blogparade über die schönsten Winterreiseziele bin ich auf diesen Beitrag aufmerksam geworden und ich muss sagen, dass ich richtig Lust bekommen habe, Helgoland im Winter zu besuchen. Normalerweise zieht es mich im Winter immer eher in den Süden Deutschlands in die Berge. Aber die Robbenbabys sind wirklich allerliebst und auch sonst sieht das verschneite Helgoland wirklich bezaubernd aus! 🙂 Vielleicht muss ich mal umdenken und im Winter eine andere Richtung einschlagen. 😉
    LG Johanna

    1. Kathrin Autor des Beitrags

      Hallo Johanna,
      ja, genau. Den Kulleraugen der Robbenbabys kann man echt schwer wiederstehen 😉 Und der Schnee dazu hat für eine ganz besondere Stimmung gesorgt. Echt idyllisch. Aber in den Bergen ist es ja im Winter oft auch traumhaft schön.
      LG Kathrin

  7. Tabitha

    🙂 Da scheinen wir einen sehr ähnlichen Geschmack zu haben.
    Wir waren vor zwei Wochen auf Helgoland und ich war sofort sowas von verliebt in die kleinen Kegelrobben. Und auch die Lummen und ihr Geräuschpegel sind so spannend.
    Ein wunderbarer Ort in Deutschland!!!

    1. Kathrin Autor des Beitrags

      Ja, absolut. Helgoland ist wirklich toll, waren letztes Jahr gleich zwei Mal da. Und die Lummen hätten wir auch stundenlang beobachten können 🙂

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