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Königspinguine in Patagonien

Abenteuerlicher Roadtrip durch Patagonien Teil 1:

Nichts ahnend schlendern wir durch die Straßen von Punta Arenas am südlichen Ende Chiles, als uns im Schaufenster eines Tourveranstalters das Bild eines Königspinguins ins Auge springt. Unsere Neugier ist geweckt! Königspinguine gibt es doch nur auf den subantarktischen Inseln. Dachten wir jedenfalls. Aber wie sich herausstellt, hat sich vor einigen Jahren eine kleine Kolonie in der „Bahia Inutil“ angesiedelt. Per Tour oder in einigen Stunden über eine Gravelroad zu erreichen. Wir sind natürlich sofort Feuer und Flamme. Echte Königspinguine in freier Wildbahn zu sehen, können wir uns auf keinen Fall entgehen lassen!

Königspinguin

Königspinguin

Begeistert machen wir uns auf den Weg zum nächsten Mietwagenverleiher. Puh, ganz schön teuer hier unten in Patagonien. Aber was soll’s. Immer noch wesentlich günstiger als eine geführte Tour. Außerdem sind wir so unabhängig und können auch gleich noch die Magellanpinguine besuchen. Yeah, auf ins Pinguin-Abenteuer!

Königspinguin

Entspannter Königspinguin

Ein kräftiger Sturm weht. Daher kriegen wir vom Mietwagenverleiher noch einen Tipp mit auf den Weg: Immer gegen die Windrichtung parken, damit die Türen beim Aussteigen nicht aus den Angeln gehoben werden. Krass! Wir sind hier eben am Ende der Welt. Da herrschen auch beim Wetter die Extreme. Gruseligerweise treffen wir später tatsächlich Touristen, denen genau das passiert ist. Und die nicht vorgewarnt wurden.

Willkommen an der Magellanstraße

Willkommen an der Magellanstraße

Auf zu den Königspinguinen, entlang der Magellanstraße

Früh am nächsten Morgen brechen wir auf zu den Königspinguinen. Eine schnurgerade Straße entlang. Endlos geradeaus. Kilometer um Kilometer rollen wir vorwärts. Minuten vergehen, dann Stunden. Rechts von uns die Magellanstraße, links die weite, wilde Pampa. Hin und wieder wird die Eintönigkeit unterbrochen. Von einem Schäfer zu Pferd samt seiner Herde. Einer verlassenen, halb zerfallen Estancia. Nandus und Guanacos, genauso ungezähmt wie die Landschaft. Dies ist es also, denke ich: das raue, wilde Patagonien. Fin del Mundo. Das Ende der Welt. Irgendwie beeidruckend, trotz oder vielleicht auch grade wegen seiner Kargheit.

Guanakos auf Feuerland

Nach knapp zwei Stunden erreichen wir Punta Delgada. Hier endet die Straße im Meer. Beziehungsweise in der Magellanstraße, der Meerenge zwischen südamerikanischem Festland und Feuerland.

Feuerland´, Patagonien, Chile

Von der Fähre ist weit und breit nichts zu sehen. Dafür eine schier endlose Schlange mit Truckern. Kurz fragen wir uns, ob wir wohl heute überhaupt noch übersetzen können, zu den Königspinguinen. Zum Glück stellt sich heraus, das PKWs und Touristenbusse Vorfahrt haben. Wie aus dem Nichts taucht schließlich die Fähre auf. Wir rollen an Bord und nehmen unsere Aussichtsplätze an der Reling ein. Und werden schon kurze Zeit nach dem Ablegen belohnt. Schicke, schwarz-weiß gecheckte Delfine springen neben uns aus dem Wasser. Genial!

Fähranleger auf Feuerland

Fähranleger auf Feuerland

Bucht am Fähranleger, Tierra del Fuego, Chile

Bucht am Fähranleger

 

Willkommen auf Feuerland

Bienvenido a Tierra del Fuego. Willkommen im Land der Schotterstraßen. Noch ferner als auf dem patagonischen Festland scheint hier jegliche Zivilisation. Mühsam quälen wir uns mehrere Stunden mit unserem kleinen Kia, der nun wirklich nicht für diese Straßenverhältnisse ausgelegt zu sein scheint, vorwärts. Puh, ganz so anstrengend hatten wir es uns nicht vorgestellt. Vorbei geht es an vereinzelten Estancias, an Kühen, Schafen und Guanacos. Und durch Baustellen hindurch. Teilweise scheint die Straße hier asphaltiert zu werden. Vielleicht kommt ihr auf eurer Reise dann schon in den Genuss dieser neuen Ausbaustraße.

Streetart Guanacos Feuerland

Streetart am Anleger: Guanacos gibt es jede Menge in Feuerland

Majestätische Königspinguine

Aber dann werden wir für jegliche Mühe belohnt. Wir sind da! Bei den Königspinguinen! In Grüppchen stehen sie zusammen. Ganz erhaben sehen sie aus, mit ihrer stolzen Haltung und den schicken orangen Schnäbeln. Gefiederpflege, mit dem Partner schnäbeln, auf der faulen Haut liegen, Richtung Meer flösseln, kleine Streitigkeiten austragen. Die ganze Palette an Pinguinverhalten können wir völlig fasziniert beobachten. Nur ein kleiner Bach trennt uns von der Kolonie, die sich auf einer grünen Wiese samt gelbem Löwenzahn versammelt hat. Gleich dahinter kleine Dünen und das Meer. Auch ein Biber ist zu gegen, der eifrig seinen Geschäften nachgeht.

Königspinguine, Bahia Inutil, Feuerland

Königspinguine in der Kolonie

Königspinguin

Nickerchen?

Königspinguine sind die zweitgrößten Pinguinart, gleich nach ihrem großen Bruder, dem Kaiserpinguin. Während letzterer in der eisigen Antarktis zuhause ist, mag der Königspinguin es lieber etwas gemäßigter. Daher hat er sich die subantarktischen Gebiete als Lebensraum ausgesucht. Obwohl sie so elegant und majestätisch aussehen, sind Königspinguine wahre Hochleistungssportler. Durchschnittlich 150 Tauchgänge absolvieren sie jeden Tag auf der Suche nach Nahrung. Dabei geht es mehrere hundert Meter in die Tiefe. Wahnsinn! Wenn ihr mehr über Pinguine erfahren wollt, dann schaut doch mal auf penguinlovers.de vorbei.

Königspinguine auf Feuerland

Na, was gibt es hier zu beschnecken?

Abendessen mit Truckern

Schweren Herzens trennen wir uns schließlich von den Königspinguinen. Und machen uns auf die Suche nach einem Nachtquartier. Unterkunftsmöglichkeiten sind in dieser kargen Gegend ziemlich begrenzt. So landen wir schließlich in einer schlichten Truckerunterkunft in Punta Delgada. Mit vegetarischem Essen gestaltet es sich schwierig. Restaurants gibt es hier nicht. Und in dem Hotel wird nur ein festes Menü für die Trucker angeboten. Nach einigem Verhandeln mit der Köchin bekommen wir schließlich ein fettiges Kartoffel-Käse-Omlett. Immerhin, satt werden wir.

Die Trucker sind ganz fasziniert von uns beiden alleinreisenden Frauen und schielen immer wieder verstohlen zu uns rüber. Touristen scheinen hier eher selten abzusteigen. Schließlich traut sich einer von ihnen, uns anzusprechen. Antonio hat früher als Touristenguide in San Pedro de Atacama gearbeitet und spricht daher ganz gut Englisch. Die Trucker transportieren unter anderem Öl und übernehmen fast die ganze Versorgung für die abgelegenen Ecken in Patagonien und Feuerland. Oft sind sie tagelang unterwegs zu ihrem nächsten Auftrag. Man kennt sich. Und trifft unterwegs immer wieder die gleichen Kollegen.

Lest hier, wie es weitergeht: Teil 2: Wilder Torres del Paine Nationalpark oder Pleiten, Pech und Pannen

Königspinguin

Noch ein knuffiger Königspinguin

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2 Kommentare zu “Königspinguine in Patagonien

  1. Claudia

    Ohhh, hätte ich das mal vorher gewusst… Dann wäre ich natürlich in Punta Arenas ausgestiegen und nicht direkt nach Puerto Natales durchgefahren. Danke für die schönen Pinguin-Fotos 😉

    1. Kathrin Autor des Beitrags

      Gern geschehen! Pinguine gehören zu unseren Lieblingsmotiven 🙂
      Wer weiß, vielleicht kommst du ja irgendwann nochmal nach Patagonien. Dann kannst du die süßen Königspinguine besuchen!
      Vielen Dank fürs Verlinken in deinem großartigen Beitrag über Südpatagonien.

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