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Lettland Roadtrip – Vogelbeobachtung & Ausreiten in Lettgallen

Endlose Wälder, zahlreiche Seen und einfach Natur pur. Lettgallen (Latgale) liegt ganz im Osten von Lettland und wird auch das Land der blauen Seen genannt. Die Region ist noch ein echter Geheimtipp. Kaum ein Urlauber verirrt sich nach Lettgallen, das an Russland und Weißrussland grenzt. Dafür warten hier jede Menge Natur und Tiere auf Individualtouristen. Klar, dass wir uns Lettgallen unbedingt anschauen möchten.

Herrliche Spiegelungen in Lettlands Seen

Unser Roadtrip führt uns zum Rāzna Nationalpark, ins Urstromtal der Daugava und zu Lettlands größtem See, dem Lake Lubāns. Unterwegs gehen wir auf Vogelbeobachtungstour, reiten an der Daugava entlang und unternehmen kleine Wanderungen im Rāzna Nationalpark. Auch Lettgallens Sehenswürdigkeiten wie die Basilika in Aglona, den hübschen Ort Krāslava und die historische Festung in Daugavpils (Dünaburg) nehmen wir unter die Lupe.

Landschaft auf unserem Lettland Roadtrip

Pferd getroffen

Natur pur am Rāzna-See

Lubān, der größte See Lettlands

Der erster Stopp auf unserem Roadtrip durch die lettische Region Lettgallen ist der Lubān-See, der größten See Lettlands. Direkt südlich an den Lubān-See schließen sich mehrere Fischteiche an. Die perfekte Gegend, um Vögel zu beobachten. Denn Nahrung gibt es hier für sie im Überfluss. Auch Zugvögel kommen hier im Frühling und Herbst vorbei. Bei unserem Besuch Mitte September sehen wir schon bei unserer Anreise riesige Schwärme von Kranichen auf den Feldern. Leider sind sie sehr scheu, weil sie ihren Nachwuchs dabeihaben. Sobald wir zum Fotografieren stoppen, werden wir skeptisch von den Kranichen beobachtet. Und kurz darauf verabschiedet sich der ganze Kranich-Schwarm in die sicheren Lüfte.

Fliegende Kraniche in Lettgallen

Vögel beobachten am Lubān-See

Unser Ziel für heute ist das Stikāni Gästehaus an den Orenisu Ponds außerhalb von Nagli. Hier sind wir mit Ilze zur Vogelbeobachtungstour verabredet. Im Jeep geht es auf Schotter- und Sandstraßen mitten durch die Fischteiche hindurch und einmal um den großen Lubān-See herum. Unterwegs stoppen wir immer wieder, um nach Vögeln zu spotten. Wir sehen Schwäne und Enten, Silberreiher und Bussarde, aber auch riesige Schwärme von Staren und weiteren kleinen Vögeln. Sogar einen Regenbrachvogel, der alleine auf einem Feld hockt, entdecken wir. Tolle Reiseziele zum Vögel beobachten sind übrigens auch die Everglades in Florida und die Camargue in Südfrankreich.

Niedlicher Vogel

Morgens am Orenisu Ponds

Auch an einem der insgesamt drei Vogelbeobachtungstürme am Lake Lubāns halten wir. Leider lässt sich hier kaum ein interessanter Vogel blicken. Durch den extrem heißen Sommer sind dieses Jahr wohl weniger Vögel als sonst in dieser Gegend von Lettgallen unterwegs. Dafür sehen wir Lettische Blaue Kühe auf einer Weide. Laut einer Legende kamen die ersten sieben blauen Kühe bei Vollmond aus dem Meer…

Blaue Kuh getroffen

Hinein ins Moor: der Teirumniki Sumpfpfad

Pünktlich zur untergehenden Sonne finden wir uns auf dem kurzen Boardwalk durch den Teirumniki Sumpf wieder. Malerisch, wie sich die Natur im See spiegelt. Auf dem See selbst findet grade ein großes Fressgelage statt. Ein großer Schwarm Vögel stürzt sich auf die Insekten, die sich an der Wasseroberfläche in der Abendsonne tummeln.

Teirumniki Sumpfpfad in der Nähe vom Lubān-See

Spiegelnde Bäume im See

Sonnenuntergang in Lettgallen

Für Ornithologen: Stikāni Gästehaus in Lettgallen

Im Gästehaus Stikāni treffen wir auf 4 Fotografen, die gleich eine ganze Woche hierbleiben. Mit super Equipment ausgestattet wollen sie die Vögel aus sogenannten Floating Hides beobachten und fotografieren. Abenteuerlich! Da hätten wir zu gern mal zugeschaut. Googelt mal Floating Hides und schaut euch die Video dazu an.

Stikāni Gästehaus – perfekte Unterkunft für Ornithologen

Stikāni Gästehaus an den Orenisu Ponds

Roadtrip im Rāzna Nationalpark

Am nächsten Morgen fahren wir auf unserem Lettland Roadtrip weiter zum Rāzna Nationalpark. Im hübschen Infozentrum des Nationalparks in dem kleinen Ort Luznava versorgen wir uns mit Karten. Anschließend geht es im Auto weiter ans Ufer des Rāzna Sees. Wegen seiner sandigen Strände wird er auch Lettgallisches Meer genannt. Da man das gegenüberliegende Ufer kaum sieht, könnte man wirklich fast meinen, am Meer zu sein.

Rāzna Nationalparkinfo in Luznava

Idyllisches Seeufer im Rāzna Nationalpark

In Lipuski machen wir einen kleinen Spaziergang am See. Ilze hat uns erzählt, dass man hier im Naturzentrum auch Wasserbikes leihen kann. Leider hat das Zentrum geschlossen. Sowieso wirkt der ganze See wie ausgestorben. In Latgale ist Mitte September definitiv schon Nebensaison. Nur zwei Windsurfer nutzen das stürmische Wetter und flitzen in einem Affenzahn über den Rāzna See.

Surfer auf dem Rāzna See

Spektakuläre Wolken über dem See

Blick vom Wolkenberg auf den Rāzna See

Wir machen einen kurzen Abstecher zum Wolkenberg (Makonkalns), einen Aussichtsberg auf 249 Metern über dem Meeresspiegel. Steile Treppen führen vom Parkplatz hinauf zur Aussichtsplattform mit einem tollen Blick hinüber zum Rāzna See und über die lettgallische Landschaft. Auch Burgruinen aus dem 13. Jahrhundert gibt es auf dem Wolkenberg zu entdecken. Die sind allerdings eher unspektakulär.

Aussicht vom Wolkenberg auf den Rāzna See

Pferde im Rāzna Nationalpark

Aussichtsturm auf dem Großen Lindenhügel

Noch höher hinaus geht es auf dem Großen Lindenhügel (Lielais Liepu kalns). Vom Aussichtsturm (34 m, insgesamt 323 m) hast du einen phänomenalen Blick weit oberhalb der Baumkronen bis hin zum Rāzna See und über weite Teile des Nationalparks. Die Zufahrt zu Lielais Liepu kalns zweigt südöstlich vom Rāzna See von der P55 ab.

Aussichtsturm auf dem Großen Lindenhügel

Blick über die Baumkronen

Der Ežezers See in Lettgallen

Den nächsten Stopp auf unserem Ausflug durch den Rāzna Nationalpark legen wir am Ežezers See ein, bekannt für seine vielen Inseln. Vom Ufer aus kann man allerdings nur ein paar der Inseln erkennen. Für eine richtige Erkundung müsste man sich per Boot oder Kanu aufs Wasser begeben.

Roadtrip Pause am Ežezers See

Andrupene: Museumsbauernhof und Moorpfad

Eine weitere Sehenswürdigkeit in Lettgallen ist der Museumsbauernhof in Andrupene. Hier kannst du in die Geschichte und Lebensweise der Lettgallen Anfang des 20. Jahrhunderts eintauchen und nach Voranmeldung sogar typisch lettgallische Hausmannskost probieren.

Museumsbauernhof in Andrupene

Ein kurzer Wanderweg führt vom Bauernhof in einem kleinen Bogen zurück zum Parkplatz. Unterwegs bekommst du einen kleinen Eindruck in die Moor- und Sumpflandschaft. Für eine ausführliche Wanderung durch die baltische Sumpflandschaft können wir dir auch eine Wanderung im Soomaa Nationalpark in Estland empfehlen.

Moorpfad in Andrupene

Im Moor wachsen sogar Beeren

Lettlands Mekka: die Basilika von Aglona

Als wir auf unserem Roadtrip durch Lettgallen Aglona erreichen, staunen wir nicht schlecht. Eine riesige Basilika beherrscht den Ort. Sie ist ein echter Hingucker, strahlend weiß und mit zwei ca. 60 Meter hohen Türmen geschmückt. Zu Maria Himmelfahrt pilgern jedes Jahr zahlreiche Katholiken aus Lettland und den Nachbarländern zur Basilika von Aglona.

Basilika von Aglona in Lettland

Und auch Schlangen scheinen sich auf Wallfahrt zu begeben. Uns kommt jedenfalls eine entgegen geschlängelt, als wir die Stufen zum Eingang der Basilika erklimmen. Im ersten Moment haben wir uns etwas erschrocken, aber dann wurde die Schlange fasziniert beobachtet und abgelichtet.

Schlange gesichtet in Aglona

Der Teufelssee Velnezers (Čertoks)

Wo das Heilige ist, ist natürlich auch sein Gegenspieler, der Teufel nicht weit. 12 Kilometer außerhalb von Aglona hat er an einem idyllischen grün-blauen See mitten im Nadelwald sein Hauptquartier aufgeschlagen. Zahlreiche Legenden drehen sich um den Teufelssee. Auf Lettisch heißt der ungewöhnlich tiefe See Velnezers oder Čertoks. Einem Stopp am Teufelssee können wir natürlich nicht widerstehen. Er ist wirklich malerisch. Und auch der benachbarte, deutlich größere Jazinks See lohnt einen Blick.

Der Teufelssee bei Aglona

Jazinks See: Was für eine Kulisse!

Lettgallisches Abendessen in Krāslava

Nachdem wir doch keinen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben, fahren wir weiter zur hübschen Stadt Krāslava. Sie liegt direkt an der Düna (Daugava). Hier sind wir in der Touristeninformation im Schlosspark zum „Lettgalian culinary heritage dinner“ verabredet. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung werden wir in einem kleinen Raum platziert. Der Tisch ist schon mit lauter lokalen Köstlichkeiten gedeckt. Unser typisch lettgallisches Abendessen (natürlich die vegetarische Variante) ist super lecker. Besonders Bulbesniki, angebratene Kartoffel-Karotten-Bällchen, haben es uns angetan. Wenn ihr das Heritage Dinner auch mal ausprobieren möchtet, einfach bei der Touriinfo in Krāslava anrufen und einen Termin ausmachen.

Schlosspark in Krāslava, rechts die Touri-Info

Der Tisch ist schon gedeckt

Übernachten im Naturpark Daugavas Loki

Wir übernachten 6 Kilometer außerhalb von Krāslava mitten im Naturpark Daugavas Loki. Hier betreibt der Berliner Sebastian seit 5 Jahren die kleine Ferienanlage „Upes Dizvietas“ direkt an der idyllischen Düna. Neben einer Ferienwohnung und einem Holzhaus gibt es auch einen kleinen Campingplatz. Sogar Ausflüge und Rundreisen durch Lettland kannst du bei Sebastian buchen. Schon am Tor werden wir stürmisch von seinen beiden Hunden begrüßt. Auch Ziegen und Hühner leben hier. Jede Menge Tiere, großartig. Auf dem kurzen Weg runter zum Fluss hüpft uns sogar noch ein Frosch vor die Füße. Die Ferienwohnung ist super gemütlich und auch das Frühstück am nächsten Morgen echt lecker!

Ferienanlage Upes Dizvietas

Idyllische Düna, auf Lettisch Daugava

Ausritt an der Düna

Dann steht auch schon das nächste Abenteuer auf unserem Lettgallen Roadtrip an: ein 5-stündiger Ausritt durch den Naturpark Daugavas Loki. Mit dem Auto fahren wir über Krāslava auf die andere Flussseite hinüber zum Reitstall Klajumi. Dort wartet Victor schon mit unseren Pferden Blazma und Legante. Wir werden noch schnell mit Chaps ausgestattet und dann kann es losgehen.

Blazma und ich sind startklar zum Ausreiten

An Wiesen und Feldern vorbei reiten wir hinunter zum Ufer der Düna. Dann geht es parallel zum Fluss weiter durch den Wald. Mittags machen wir eine Pause an einem idyllischen Picknickplatz mit Aussichtsturm direkt am Fluss. Für unsere Pferde hat Victor extra Halfter dabei, so können die Pferde auch entspannt snacken. Wir kraxeln vor dem Essen noch schnell für ein paar Fotos auf den Aussichtsturm und genießen den Blick über Krāslava und den Naturpark Daugavas Loki.

Blick vom Aussichtsturm auf die Düna und Kraslava

Nach der Pause reiten wir durch den südlichen Teil von Krāslava und schließlich direkt durch das hohe Ufergras der Daugava. Hier ist wirklich Natur pur. Es gibt noch nicht mal mehr einen Reitweg und unsere tollen Pferde müssen sich selbst einen Weg bahnen. Der Fluss macht hier eine Schleife, so dass wir auf dem Rückweg durch den Wald abkürzen können. Hier warten wieder ein paar super Galoppstrecken, bevor wir schließlich müde aber sehr glücklich wieder am Reitstall ankommen.

Mittagspause im Wald

Naturpark Daugava Loki in Lettgallen

Nach unserem traumhaften Ausritt erkunden wir noch ein bisschen die andere Seite des Daugava Loki Naturparks. Unter anderem stoppen wir am Altgläubigen-Dorf in Slutiški, ein kleines Freilichtmuseum, das aber leider geschlossen hat. Weiter geht es auf unserem Lettland Roadtrip zu den Ruinen der Dünaburg. Im Mittelalter befand sich hier eine Ordensburg direkt an der Düna. Genau wie von den zahlreichen Aussichtstürmen hast du auch hier wieder einen schönen Blick über das Daugava-Tal mit seinen zahlreichen Flussschleifen.

Haus im Altgläubigen-Dorf Slutiški

Daugavpils – Hauptstadt von Lettgallen

Schließlich erreichen wir Daugavpils, die zweitgrößte Stadt Lettlands und Hauptstadt der Region Lettgallen. Wie könnte es anders sein, auch Daugavpils liegt natürlich am Ufer der Daugava. In der Stadt gibt es einige schöne Wohnhäuser, unter anderem mit Jugendstil-Elementen. Uns zieht es aber zur ehemaligen Zarenfestung. Das große Gelände ist heute praktisch eine Art militärische Geisterstadt mit Festungsmauer, Kasernen und Wohnblöcken. Hier findest du jede Menge Lost Place Charme: Ruinen, verlassenen Gebäuden und Graffitis.

Ruinen der ehemaligen Zarenfestung

Lost Place Charme in Daugavpils

Autofahren in Lettland

Von Daugavpils aus machen wir uns auf den Weg nach Riga, Lettlands wunderschöner Hauptstadt. Um die 3 Stunden braucht man im Auto für die 230 Kilometer, denn im Gegensatz zu Deutschland gibt es hier überall Geschwindigkeitsbegrenzungen. Auf den Autobahnen gilt maximal 110 km/h, auf den Landstraßen 90 km/h. Da können sich lange Strecken schon mal ziehen. Dafür ist der Verkehr außerhalb der Städte sehr überschaubar. Meistens hat man die Straßen fast für sich. Besonders in Lettgallen kann man auch ohne Probleme mal am Straßenrand stoppen, um schnell ein paar Fotos zu machen. Abseits von den Hauptstraßen sind übrigens auch Schotter- und Sandstraßen weit verbreitet, die aber überwiegend in sehr gutem Zustand und leicht befahrbar sind. Nur beim Mietwagen buchen sollte man drauf achten, dass Gravel Roads erlaubt sind.

Vogel Spotting am Rāzna-See

Offenlegung: Herzlichen Dank an LIAA Tourism für die Einladung nach Lettland und die super Organisation unserer Reise! Die Einladung beeinflusst natürlich nicht unsere persönliche Meinung und Berichterstattung, schließlich lebt Travelinspired von authentischen Reiseberichten. 

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