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Unterwegs auf dem Alaska Highway

Mythos und Faszination zugleich. Der Alaska Highway führt auf 1.422 Meilen durch den Hohen Norden Kanadas bis nach Alaska. Größtenteils durch menschenleere Wildnis. Er steht auf der Bucket List vieler Roadtrip-, Outdoor- und Wildnisfans. Auf unserer natürlich auch! Während des 2. Weltkrieges stampften die Amerikaner den Alaska Highway innerhalb weniger Monate als Versorgungsstraße nach Alaska aus dem Boden. 11.000 Soldaten und 16.000 Zivilisten wirkten unter extremen Bedingungen an dem Bau mit. Ein gewaltiger Kraftakt, anschaulich dargestellt in dem Alaska Highway House, einem kleinen Museum in Dawson Creek (British Columbia), dem Startpunkt des Alaska Highways. Doch wie fährt es sich heute auf dem Alaska Highway? Hier kommt der Erfahrungsbericht zu unserem Abenteuer Roadtrip.

Start des Alaska highways

Start des Alaska Highways in Dawson Creek

Mile Zero Post in Dawson Creek

Der Anfang ist vielversprechend. In Dawson Creek, Ausgangspunkt des legendären Alaska Highways, kommt Abenteuerlaune auf. Der ganze Ort dreht sich um den spektakulären Bau. So kann man sich neben dem Mile 0 Post auch unter einem „You are now entering the world famous Alaska Highway“ Schild ablichten lassen. In einer Infobroschüre lesen wir, dass man in dem Visitor Center um Hilfe beim Überqueren der Kreuzung bitten kann, um den Mile 0 Post zu entern. Safety first. Nicht das man auf dem Weg zu dem begehrten Fotomotiv überfahren wird. Am Kreisverkehr steht die große Statue eines Soldaten, der mit ausgestrecktem Arm in Richtung Alaska weist. Das Ziel schon vor Augen. Irgendwie ansteckend. Motiviert starten wir mit unserem Truck Camper auf die ersten Meilen des Alaska Highways. Und schauen uns auch noch schnell das kleine Walter Wright Pioneer Village an, dass Dawson Creek zeigt, bevor es durch den Bau des Highways überrannt wurde.

Die Statue in Dawson Creek weist den Weg nach Alaska

Die Statue in Dawson Creek weist den Weg nach Alaska

Abstecher zur Kiskatinaw Brücke

Wenige Meilen später fahren wir einen kleinen Umweg auf dem ursprünglichen Alaska Highway, der uns zu einer alten Holzbrücke führt. Der heutige Straßenverlauf des Highways wurde an einigen Stellen begradigt, so dass ein paar Kilometer eingespart wurden. Auch ist er inzwischen durchgehend asphaltiert, was ihm Einiges von seinem Pioniercharme genommen hat. Dafür ist es für die vielen Wohnmobilfahrer natürlich schon sehr komfortabel. Wer möchte schon gerne knapp 2.300 Kilometer auf einer buckeligen Schotterpiste fahren?

Historische Kiskatinaw Brücke auf dem Old Alaska Highway, Erfahrungsbericht Alaska Highway

Historische Kiskatinaw Brücke auf dem Old Alaska Highway

Alaska Highway: Bäume stehlen uns die Sicht

Vergnügt geht es weiter nach Fort St. John, wo wir eine tolle Aussicht über den Peace River genießen, bevor wir es uns an einem Campingplatz direkt am Charlie Lake bequem machen. Am nächsten Morgen bekommt unsere Motivation einen ersten Dämpfer. Die ca. 400 Kilometer bis Fort Nelson sind die langweiligste Strecke, die ich je gefahren bin. Bäume, Bäume und noch mehr Bäume. Ich sehe vor lauter Bäumen den Wald nicht. Sie stehen in Reih und Glied links und rechts am Straßenrand und versperren den Blick auf mögliche Tiere, Seen, Hügel oder was auch immer sonst noch hinter ihnen verborgen liegt. Ein Schild kündigt einen Aussichtspunkt an. Wir zweigen auf den Parkplatz ab. Doch auch hier ist alles zugewuchert, von Aussicht keine Spur. Das ist er nun also der legendäre Alaska Highway? Hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.

Aussicht über den Peace River, Erfahrungsbericht Alaska Highway

Aussicht über den Peace River in Fort St. John

Entspannung pur in den Liard Hot Springs

Immerhin wird die Landschaft hinter Fort Nelson (km 455) langsam wieder interessanter, mit Bergen und Wildwasserflüssen. Dafür regnet und gewittert es jetzt. Unsere geplante Wanderung zum Summit Peak im schönen Stone Mountain Provincial Park fällt buchstäblich ins Wasser. Mit 1.295 Metern ist der Summit Pass der höchste Punkt des Alaska Highways. Immerhin zeigt der Muncho Lake (km 701) selbst bei schlechtem Wetter seine jadegrüne Farbe. Und schließlich erleben wir doch noch ein echtes Highlight, dass uns mit unserem bis dahin wenig erfreulichen Fahrtag aussöhnt: Die idyllischen, weitgehend naturbelassenen Liard River Hot Springs (km 799). Sie liegen mitten im Wald, von fast schon tropischen Pflanzen umgeben. Über einen 700 Meter langen Boardwalk laufen wir durch Sumpfgebiet zur heißen Quelle. Die Pools sind entspannend heiß, man kann mit Baumstämmen floaten und es gibt sogar einen Balancierbaumstamm a la Dirty Dancing. Herrlich!

Muncho Lake am Alaska Highway, Reisebericht Alaska Highway im Wohnmobil

Muncho Lake im Nebel

Liard Hot Springs, Reisebericht Alaska Highway im Camper

Liard Hot Springs

Wildlife am Alaska Highway

Am nächsten Morgen entdecken wir kurz nach dem Losfahren den erster Schwarzbären am Straßenrand. Juhu! Dann einen Waldbison, gefolgt von 2 Bisonherden. Eine davon hat es sich rund um einen Teich gemütlich gemacht, der noch halb im Nebel liegt. Total idyllisch. Einige Bisons sind schon munter und grasen eifrig. Aber der Großteil der Herde ist noch ziemlich verpennt und nimmt uns kaum zur Kenntnis. Auch die Kälbchen liegen noch dicht an Mami gekuschelt im weichen Gras. Als dann später noch ein Fuchs vor uns die Straße kreuzt und wir eine Elchmama samt Nachwuchs mitten in einem See entdecken ist unser Tierbeobachtungsglück perfekt! Endlich Elche! Und dann gleich das volle Programm mit Schwimmen, unter Wasser gucken, futtern und an Land staksen.

Schwarzbär am Alaska Highway, Erfahrungsbericht Alaska Highway im Wohnmobil

Schwarzbär am Alaska Highway

Verschlafene Bisonherde, Alaska Highway

Verschlafene Bisonherde

Elche, Tiere Alaska Highway Kanada

Elchmama und ihr Nachwuchs

Hier findet ihr noch mehr Tierfotos aus Kanada

Verrückter Schilderwald in Watson Lake

Bei Meile 613 (km 986) erreichen wir Watson Lake, berühmt für seinen Schilderwald – dem Sign Post Forrest. 1942 stellte ein amerikanischer Soldat, der am Alaska Highway mitbaute, aus lauter Heimweh ein Schild seiner Heimatstadt auf. Seitdem haben es ihm Tausende nachgemacht: Ortsschilder, Kennzeichen, selbstkreierte Tafeln und Schilder jeglicher Art wurden inzwischen an Pfeiler genagelt, so dass im wahrsten Sinne des Wortes ein Schilderwald entstand, indem man geradezu verloren gehen kann. Über eine Stunde fotografieren wir uns durch den genialen Sign Forrest auf der Suche nach skurrilen Schildern und bekannten Orten. Dabei entdecken wir unter anderem Hamburg-Volksdorf.

Schilderwald in Watson Lake, Alaska Highway Erfahrungen

Schilderwald in Watson Lake

Hochsaison auf dem Alaska Highway?

Und weiter geht es auf dem Alaska Highway. Hin und wieder taucht ein kleiner Ort am Straßenrand auf. Meistens nur eine Lodge mit Tankstelle und Campingplatz. Erstaunlich oft auch aufgegebene Raststätten, die verlassenen daliegen, schon halb überwuchert und von der Natur zurückerobert. Oder Campingplatzschilder mit dem Hinweis „closed for season“. Mitte Juli, wo doch eigentlich Hochsaison ist. Nach Hochsaison fühlt es sich hier allerdings nicht an. Entspannt leer ist es sowohl auf dem Highway als auch auf den Rast- und Campingplätzen. Auch wenn man unterwegs vielen Wohnmobilen begegnet. Ob der Alaska Highway seine besten Zeiten schon hinter sich hat? Weiter oben am Kluane Nationalpark stoßen wir allerdings auch auf nagelneue Unterkünfte. Neubauen scheint sich mehr zu lohnen als Renovierung und Umbau.

Verlassene Gebäude am Alaska Highway

Verlassene Gebäude am Alaska Highway

Überwucherte Ruine am Alaska Highway

Überwucherte Ruine am Alaska Highway

Typisch Alaska Highways: Road Work ahead

Zwischendurch reiht sich eine Baustelle an die andere. Halb Yukon scheint im Straßenbau tätig zu sein. Und der ist hier eindeutig nicht nur Männersache. Wir sehen jede Menge Frauen, die mit Stoppschild bewaffnet am Straßenrand stehen oder am Steuer der Baustellenfahrzeuge oder Pilot Cars sitzen. Die Pilot Cars sind auch so eine Sache für sich. Offensichtlich reicht es nicht, die Baustelle wie in Deutschland entsprechend abzusperren und zu kennzeichnen. Neben den Stoppschildhaltern geleiten sogenannte Pilot Cars die wartende Autokolonne sicher durch die Baustelle. Nicht das man ausversehen auf die falsche Bahn gerät oder von einer Raupe platt gemacht wird. Die Baustellen sind aber immer wieder eine gute Gelegenheit zum Smalltalk. Wo wir herkommen, wo wir hinwollen, über den Straßenzustand im Allgemeinen und im Speziellen und ganz besonders beliebt: Die eher rhetorische Frage, ob wir Zwillinge sind. Woraufhin uns dann erstmal sämtliche bekannten Zwillinge im Verwandtschafts- und Bekanntenkreis aufgezählt werden. Man könnte meinen, in Yukon und Alaska wimmelt es nur so von Zwillingen. Live haben wir allerdings keine gesehen.

Fluss am Alaska Highway

Fluss am Alaska Highway

Mission completed – Ende des Alaska Highways

Wir fahren weiter, vorbei an dem riesigen Teslin Lake, über Yukons Hauptstadt Whitehorse (km 1429) mit dem alten Schaufelraddampfer SS Klondike und dem wunderschönen Kluane Nationalpark bis über die Grenze nach Alaska. Und schließlich haben wir nach vier Tagen und rund 2.230 Kilometern unser Ziel erreicht: Delta Junction (Alaska), das offizielle Ende des Alaska Highways. Am Visitor Center prangt das obligatorische Schild, vor dem wir uns natürlich ablichten lassen, bevor es – vorbei am ganzjährig aktiven Weihnachtsmann in North Pole – weiter ins 160 Kilometer entfernte Fairbanks geht, dem inoffiziellen Ende des Highways.

Delta Junction, Ende Alaska Highway, Erfahrungsbericht Wohnmobil

Delta Junction, Ende des Alaska Highways

Fazit Alaska Highway

Wir haben viel erlebt und viel gesehen. Natur pur, Bäume ohne Ende, viele Tiere, schöne Seen, atemberaubende Bergketten, kleine Örtchen und einige Baustellen. Lohnt sich also der Alaska Highway? Wir finden ja! Man fährt auf historischen Spuren durch den Norden British Columbias und quer durch Yukon bis nach Alaska. Unterwegs bekommt man sowohl die wechselnden Landschaften als auch die Größe und Weite dieser Region mit. Also wenn du genügend Zeit hast und Roadtrips liebst, dann auf zum Alaska Highway! Wenn du lange Autofahrten allerdings doof findest und lieber in kurzer Zeit möglichst viel sehen willst, dann nimm dir besser gleich die kanadischen Rockies oder Alaska vor.

Kluane Nationalpark

Kluane Nationalpark

Praktische Informationen

Informationen zu den aktuellen Straßenbedingungen:

Viele Orte haben auch ein Visitor Center, in denen man sich persönlich nach den Straßenbedingungen erkundigen kann. Außerdem gibt es dort auch hilfreiche Infobroschüren zu Sehenswürdigkeiten.

Technische Reiseausstattung

In unserer Technik Packliste findest du Tipps, welche Technik in deinem Reisegepäck nicht fehlen darf. Auf Campingtrips in die Widlnis finden wir z.B. eine Powerbank total hilfreich, um unterwegs Kamera und Handy laden zu können.

Der Alaska Highway war Teil unseres Roadtrips von L.A. über die Nationalparks im Westen der USA und die kanadischen Rocky Mountains bis Alaska. Die komplette Route kannst du in unserer Nordamerika Roadtrip Zusamenfassung nachlesen.

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