Magellanpinguin: territorialer Schnabelkämpfer

Der niedliche Magellanpinguine lebt hauptsächlich in Patagonien im südlichen Südamerika. In ihrer Kolonie in der Nähe von Punta Arenas konnten wir beobachten, wie sie windgeschützt durch „Buschalleen“ zum Meer gelaufen sind. Clevere Taktik bei den heftigen Stürmen in Patagonien. Wobei den Pinguinen der Wind wahrscheinlich gar nicht so viel ausmacht, wie uns. Schließlich sind sie prima isoliert. Magellanpinguine gehören zur Gattung der Brillenpinguine, so wie der Humboldtpinguin, der Brillenpinguin und der Galápagospinguin. Sein wissenschaftlicher Name lautet Spheniscus Magellanicus.

Magellanpinguin, Fakten und Infos zu Verhalten, Lebensraum und Aussehen
Magellanpinguin
Magellanpinguine auf der Valdés Halbinsel
Magellanpinguine auf der Valdés Halbinsel

Verbreitung: Wo lebt der Magellanpinguin?

Der Magellanpinguin ist im Süden Südamerikas zuhause und erhielt seinen Namen, da er hauptsächlich an den Küsten der „Terra Magellanica“ vorkommt, die etwa dem Gebiet von Patagonien entspricht. Magellanpinguine leben vor allem an den felsigen Küsten der Falklandinseln, in Chile, Argentinien, Uruguay und teilweise auch im Süden Brasiliens. Sie bewohnen mehrere tausend Kilometer der chilenischen und argentinischen Küste. In Argentinien bildet der Golfo San Matias die nördliche Verbreitungsgrenze der Magellanpinguinkolonien. An der Pazifikküste finden sich Kolonien noch etwas weiter nördlich bis Puerto Montt in Chile.

Magellanpinguine in Patagonien
Magellanpinguine in Patagonien

Sind Magellanpinguine gefährdet?

Magellanpinguine werden von der Weltnaturschutzunion IUCN als nicht gefährdet (least concerned) eingestuft. Schätzungen zu Folge leben auf den Falklandinseln über 100.000 Brutpaare, an den Küsten Argentiniens 900.000 Paare und in Chile zwischen 144.000 und 500.000 Paare. Die Gesamtpopulation wird auf etwa 1,1 bis 1,6 Millionen Brutpaare geschätzt. Der Beifang durch die Fischerei, insbesondere während der Migrationsphase, und die potenzielle weitere Erschließung von Erdölvorkommen in der Region könnten sich auf die Art auswirken. Das Ausmaß dieser Entwicklungen und der Grad der potenziellen Auswirkungen auf die Magellanpinguine sind derzeit noch ungewiss. Weitere Gefahren sind die Ölverschmutzung der Meere, Überfischung und Bejagung.

Magellanpinguin in Argentinien
Magellanpinguin sind aktuell nicht gefährdet

Äußere Merkmale: Woran erkennt man den Magellanpinguin?

Der Magellanpinguin

  • ist etwa 70 Zentimeter groß.
  • wiegt zwischen 2 und 5 Kilogramm, im Durchschnitt etwa 4 Kilogramm.
  • ist an Kopf sowie der Oberseite von Rumpf, Flügel und Schwanz schwarz gefärbt. Der Bauch sowie die Unterseite der Flügel sind weiß mit einigen unregelmäßig verteilten schwarzen Punkten.
  • hat einen weißen Streifen, der von der Kehle in einem geschwungenen Bogen über den Hals und hinter der Wange zum Überaugenstreif bis zur Schnabelwurzel verläuft. Die weiße Umrandung des Auges vereinigt sich mit diesem Streifen über dem Auge. Vom oberen Schnabelansatz aus zieht sich ein kleiner weißrosa Tropfen bis auf Augenhöhe.
  • trägt ein schwarzes Band, das sich halbkreisförmig von der Brust an den Seiten bis zu den Beinen zieht, wo es schmaler wird und vor den Füßen spitz zulaufend endet.
  • hat eine dunkelrote Iris.
  • ist an den Beinen hellrosa gefärbt mit schwarzen Hautschuppen auf der Oberseite.
  • hat einen größtenteils schwarz und unregelmäßig hornfarben gefärbten Schnabel. Die federlosen Hautflecken am Schnabelansatz erleichtern die Wärmeabgabe und verhindern dadurch ein Überhitzen des Pinguins. Sie sind je nach Temperatur weiß oder rosa gefärbt.
  • hat ein im Vergleich mit anderen Pinguinarten dünneres Federkleid und eine geringere Fettschicht als Anpassung an seinen wärmeren Lebensraum.
  • trägt als Jungvogel ein zweites Daunengefieder, das graubraun und auf Brust, Bauch und Kehle weiß ist. Um die Augen und auf den Wangen ist ein heller Bereich, der mit der weißen Kehle verbunden ist. Flügge Jungvögel sehen den Altvögeln sehr ähnlich.
Magellanpinguine, Erkennungsmerkmale
Magellanpinguine

Wie pflanzt sich der Magellanpinguin fort?

Der Magellanpinguin

  • schließt sich mit anderen Artgenossen in losen, großen Brutkolonien zusammen. Diese belegen oft viele Kilometer Küstenlinie, die Nestdichte liegt nur bei 0,001 bis 0,1 Nester pro Quadratmeter.
  • bevorzugt zum Brüten eine der vielen kleinen Inseln rund um Feuerland, die Falklandinseln und die chilenischen Fjorde. Dort gibt es ideale Bedingungen, um Bruthöhlen zu graben, die den besten Schutz vor Jägern aus der Luft bieten.
  • ist seinem Partner treu, die Beziehung wird durch soziale Gefiederpflege aufgefrischt.
  • brütet einmal im Jahr.
  • erscheint im September am Brutplatz, die Eiablage beginnt etwa Mitte Oktober.
  • gräbt eine Bruthöhle, wenn der Erdboden dies zulässt. Ansonsten brütet er in kleinen Mulden, Felsspalten oder unter Sträuchern (z.B. an der trockenen argentinischen Küste). Hat ein Männchen seine alte Bruthöhle wiedergefunden, ruft es nach seiner Partnerin aus dem Vorjahr, indem er die Flossen ausbreitet und den Schnabel Richtung Himmel streckt. Erst nach mehreren Tagen erfolglosen Wartens entschließt er sich, eine neue Partnerin zu suchen. Ist ein Weibchen interessiert, kommt es angewatschelt, stellt sich dem Männchen gegenüber auf und stößt abwechseln mit dem Männchen Rufe aus. Ist die anschließende Besichtigung der Bruthöhle durch das Weibchen erfolgreich, folgt das Balzritual und schließlich die Paarung.
  • legt im Oktober zwei gleich große Eier im Abstand von vier Tagen. Diese wiegen jeweils etwa 125 Gramm.
  • bebrütet seine Eier etwa 40 Tage lang. Das Weibchen brütet zuerst, während das Männchen bis zu 500 Kilometer vom Brutplatz entfernt jagt. Es löst das Weibchen nach 15 bis 20 Tagen ab. Das Weibchen geht dann auf Jagd.
  • wechselt sich nach dem die Jungen geschlüpft sind mit seinem Partner täglich ab. Ein Elternteil geht abwechselnd morgens jagen und kehrt später am Tag zurück, so dass die Jungen einmal täglich gefüttert werden. In dieser Zeit jagen die Eltern etwa 40 Kilometer vom Brutplatz entfernt. Die Jagd dauert länger, je größer die Jungvögel werden, da sie dann mehr Nahrung benötigen. Die Jungvögel bekommen dann manchmal erst nach einigen Tagen Futter.
  • bevorzugt den zuerst geschlüpften Jungvogel bei der Fütterung. Dies führt zu einer höheren Sterblichkeit des zweiten Jungvogels. Gibt es genügend Nahrung, können die Eltern auch beide Jungvögel erfolgreich großziehen.
  • hat als Küken ein dunkelgraues Gefieder
  • hat als Jungvogel nach 30 Tagen sein zweites, dunkelbraunes Daunengefieder und kann die Bruthöhle verlassen. Er bildet keine Jugendgruppen, wenn er in einer Bruthöhle groß geworden ist, da diese ihm guten Schutz vor Kälte und Feinden bietet. Ansonsten schließt er sich mit anderen Jungvögeln zu einer Gruppe zusammen. Da das Gefieder der Jungvögel noch nicht wasserabweisend ist und in nassem Zustand nicht mehr vor der Kälte schützt, droht jungen Magellanpinguinen Gefahr vor Unterkühlung bei starken Regenfällen. In seltenen Fällen kann es auch vorkommen, dass sie in ihrer Bruthöhle ertrinken.
  • wird Ende Januar, Anfang Februar mit 9 bis 17 Wochen flügge, je nachdem wieviel Futter verfügbar ist und wie schnell er wächst. Halbwüchsige Magellanpinguine haben einen weißen Bauch. Rücken und Kopf sind mattgrau. Der Rücken ist erst im Alter von 2 Jahren so dunkel wie bei den erwachsenen Pinguinen und auch die charakteristische, schwarz-weiße Gefiederzeichnung ist dann erst vollständig ausgeprägt.
  • ist als Weibchen mit 4 Jahren, als Männchen mit 5 Jahren geschlechtsreif.
Junger Magellanpinguin
Junger Magellanpinguin

Verhalten: Wie sieht ein typischer Tag im Leben eines Magellanpinguins aus?

Der Magellanpinguin

  • ernährt sich etwa zu gleichen Teilen von Fisch, Tintenfisch und Krill.
  • jagt normalerweise in Wassertiefen bis 50 Meter, kann aber auch bis zu 100 Meter tief tauchen.
  • geht meistens schon während der Morgendämmerung auf die Jagd und kommen erst am späten Nachmittag zurück. Während der Jagd ruht er sich selten an Land aus, unternimmt meist nur kurze Tauchgänge von circa 40 Sekunden und lässt sich danach an der Wasseroberfläche treiben, um sich auszuruhen. So kann er über 12 Stunden unterwegs sein, ohne Land anzusteuern.
  • verliert während der Mauser im März die Hälfte seines Gewichts.
  • zählt unter den Pinguinen zu den eher kämpferischen Zeitgenossen – Schnabelkämpfe mit ernsten Verletzungen sind an der Tagesordnung.
  • ist sehr territorial.
  • kann bis zu 20 Jahre alt werden.
  • ist hauptsächlich im Meer gefährdet, als Beute von Räubern zu enden – auf den Falklandinseln zum Beispiel durch die Mähnenrobbe.
  • ist auf den Falklandinseln durch Nahrungsknappheit auf Grund der Fischindustrie bedroht. Dort überlebt nur etwa jeder vierte Jungvogel, 80-90 Prozent der Bruthöhlen auf den Falklandinseln stehen inzwischen leer. Im Gegensatz dazu sind die Magellanpinguine in Chile und großen Teilen Argentiniens vor kommerziellem Fischfang geschützt.
Rückweg zur Kolonie, Magellanpinguine in Chile
Rückweg zur Kolonie

Wo kann man Magellanpinguine in freier Wildbahn sehen?

In Südamerika:

  • im chilenischen Teil Patagoniens zum Beispiel:
    • in einem kleinen Naturreservat in der Nähe von Punta Arenas
    • auf der Insel Magdalena: Nationalpark mit der größten Magellanpinguinkolonie in Südchile
    • auf Chiloé
  • im argentinischen Teil Patagoniens zum Beispiel:
    • auf der Valdés Halbinsel bei Puerto Madryn (mehrere kleine Kolonien)
    • Punta Tombo: Die weltweit größte Brutkolonie der Magellanpinguine (120 Kilometer südlich von Trelew)
  • im Rahmen einer Kreuzfahrt auf den Falklandinseln
Magellanpinguine auf der Valdés Halbinsel, Argentinien
Magellanpinguine am Strand auf der Valdés Halbinsel

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